Mit Karteikarten lernen: Die Lernmethode für das Langzeitgedächtnis
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Mit Karteikarten lernen: Lernen für das Langzeitgedächtnis

Beim Lernen mit Karteikarten kann man (fast) nichts falsch machen: große Stoffmengen verinnerlichen, fremdsprachige Vokabeln lernen und Wissen langfristig abspeichern – bei allem hilft dieses Lerntool! Thesius stellt Dir die Grundprinzipien dieser Lernmethode vor, nennt die besten Apps, gibt dreizehn Tipps und zeigt alle Vor- und Nachteile auf!


Was kannst Du mit Karteikarten lernen und was nicht?

Egal, ob Du Psychologie, Informatik oder Kommunikationswissenschaft studierst – wenn Du in Deinem Studium Klausuren schreibst, sind Karteikarten eine gute Lernmethode. Während der Schulzeit werden sie oft zum Englisch- oder Französischlernen verwendet. Allerdings kannst Du mit Karteikarten viel mehr als bloß Vokabeln lernen! Hier eine kleine Übersicht:


  • Definitionen
  • Formeln
  • Daten
  • Gliederungen
  • Vokabeln
  • Faktenwissen
  • Einfache Frage- und Antwortsätze
  • Multiple-Choice-Format


Viele angehende Juristinnen und Juristen lernen Definitionen mit Karteikarten, da es auf das genaue Wiedergeben der Begriffe ankommt. Falllösungen lassen sich hingegen nicht mit Karteikarten lernen. Das Gleiche gilt für Formeln. Punktuelles Wissen lässt sich gut abfragen, während Du zur Umsetzung andere Lernmethoden anwenden solltest.

Wie Du siehst, eignet sich nicht jeder Lernstoff zum Lernen mit Karteikarten. Ungeeignet sind vor allem vielschichtige Themen. Je verschlüsselter eine Information ist, desto weniger eignet sie sich zum Karteikartenlernen. Das Verinnerlichen von komplexen Zusammenhängen ist mit Lernkarten nahezu unmöglich.


So funktioniert’s: Der Karteikasten

Je nach Größe Deiner Handschrift eignen sich am besten Karteikarten in den Größen DIN A8 bis DIN A6. Bei zu großen Karten läufst Du Gefahr, zu viel auf eine Karte zu schreiben, wodurch der systematische Lerneffekt verloren geht. Schreibe auf die Vorderseite der Karteikarte das Stichwort oder die Frage und auf die Rückseite die Lösung. Halte Dich dabei kurz und knapp. Eine gute Faustregel ist, nicht mehr als zehn Wörter pro Seite zu verwenden und Füllwörter zu vermeiden.

Nach dem Erstellen Deiner Lernkarten kommen diese in Deinen Karteikasten. Ein Karteikasten hat in der Regel fünf Fächer. Die Fächer sollten eine aufsteigende Größe besitzen. Anfangs kommen alle Karteikarten in das erste Fach. Beantwortest Du die Karte richtig, wandert sie in das nächste Fach. Für jeden Lernvorgang gehst Du auf diese Weise vor. Beantwortest Du eine Frage falsch, wandert die Lernkartei wieder in das erste Fach. Achte auf ausreichende Zeitabstände zwischen Deinen Lernvorgängen. Bewährte Zeitabstände zum Karteikarten Lernen sehen so aus:


  • Erstes Fach: Täglich
  • Zweites Fach: Jeden zweiten oder dritten Tag
  • Drittes Fach: Wöchentlich
  • Viertes Fach: Monatlich oder seltener


Musst Du Dir Wissen für eine Klausur schneller aneignen, kannst Du die Zeitabstände verkürzen. Jedoch solltest Du einen zeitlichen Mindestabstand von acht Stunden beibehalten. Für die Klausurenphase kannst Du auch lediglich drei Fächer zum Karteikarten-Lernen verwenden. Schau auf jeden Fall, dass das Lernen mit Karteikarten in Deinen Lernplan passt!

Durch das wiederholte Lernen wandert die Information Schritt für Schritt in das Langzeitgedächtnis. Durch das systematische Wiederholen wird so dem Vergessen entgegengewirkt. Ebbinghaus hat mit seinen Experimenten zur Vergessenskurve festgestellt, dass Wiederholungen für das dauerhafte Behalten von Information essentiell sind. Deswegen profitierst Du von dieser Lernmethode am meisten, wenn Du sie bereits für grundlegendes Wissen in Deinem Studium verwendest. Das systematische Lernen mit den Karteikarten hat übrigens der deutsche Publizist Sebastian Leitner erfunden, weswegen diese Lernmethode oft auch Leitner-System genannt wird.


Die besten Apps zum Lernen mit Karteikarten

Als haptischer Lerntyp profitierst Du von einem physischen Karteikasten. Allerdings gibt es zahlreiche Apps, die Du ebenso nutzen kannst. Thesius hat den Test gemacht und hat unter den Apps Brainyoo, Repetico, FlashCards Lite, Buffl, AnkiApp und Brainscape die unserer Meinung nach besten zwei kostenlosen Karteikarten-Apps genauer angesehen:


Repetico

Für die Karteikarten-App Repetico muss man sich mit seiner E-Mail-Adresse anmelden. Eine Anmeldung über Facebook ist derzeit nicht möglich. Mit der kostenfreien Version kann man eigene Kartenstapel erstellen. Beim Erstellen eines Kartenstapels kannst Du auswählen, ob Du Deinen Stapel für Freunde, für alle Nutzer oder nur für Dich zulassen möchtest. Außerdem gibt es die Möglichkeit des Co-Learnings. Als Pro-Nutzer kann man auch Multiple-Choice-Karteikarten erstellen.

Insgesamt ist das Design der App sehr übersichtlich und funktional gehalten. Das Erstellen der Karteikarten ist einfach und es gibt nahezu jede Funktion, die man sich vorstellen kann. Eine randomisierte Reihenfolge der Karten, eine Filter- und Kategoriefunktion, sowie Statistiken zum eigenen Lernfortschritt sind nur drei der vielen Funktionen. Allerdings hat Repetico die meisten Einschränkungen in der freien Version.


Buffl

Für Buffl muss man sich zunächst mit seiner E-Mail-Adresse anmelden. Das Erstellen der Karteikarten innerhalb der App ist ein wenig umständlich, dafür ist das Erstellen durch den Browser sehr einfach. Die App ist sehr schlicht gehalten und die Karteikarten stehen definitiv im Vordergrund des Designs. Gerade wenn man beginnt, die App zu nutzen, sind die Tipps und Anleitung sehr nützlich.

Allerdings ist Buffl sehr einfach gehalten und man stellt schnell fest, dass die ein oder andere Funktion und Statistik fehlt. Dafür ist die App vollständig kostenlos nutzbar.



13 Tipps, um noch mehr aus dem Karteikarten-Lernen herauszuholen


  1. ,Kategorisiere Deine Karteikarten nach Thema, Veranstaltung oder Datum. Verwende dafür beispielsweise Kürzel wie: „VL Nr. 1 Makro“.
  2. Nutze verschiedene Karteikästen für verschiedene Themen, um nicht durcheinander zukommen. Alternativ kannst Du farbige Karteikarten zur Unterscheidung nutzen.
  3. Zeichne auf Deine Karteikarten! Ansprechende visuelle Darstellungen helfen beim Merken!
  4. Vergiss nicht, beim Lernen aus einem Buch die Quelle mit Seitenanzahl auf der Karteikarte zu vermerken.
  5. Klebe Deine Karteikarten mit wiederablösbarem Washi-Tape an Deine Tür und gestalte das Lernen auf diese Weise interaktiver! Du kannst ebenso ein Lernposter zum Ankleben verwenden.
  6. Mache Karteikarten-Spaziergänge. Nimm den Stapel aus einem Fach mit und stoppe alle paar Minuten, um zu lernen.
  7. Lerne gemeinsam mit anderen, indem Du ein Spiel daraus machst. Ihr könnt euch die Fragen gegenseitig vorlesen und wer am Ende die meisten Karteikarten hat, gewinnt.
  8. Beschrifte die Rückseite der Lernkartei kopfüber. Das vereinfacht das Umdrehen ungemein.
  9. Lerne auch mal rückwärts! Statt die Frage zu beantworten, musst Du die Frage zur Antwort finden.
  10. Sprich laut mit beim Lernen. Gerade kommunikative Lerntypen profitieren vom Mitsprechen.
  11. Mische Deine Karten innerhalb des Fachs nach jedem Lernvorgang durch. Dadurch vermeidest Du, dass die Reihenfolge der Karten zu einer Merkhilfe wird. In der Klausur kommen die Fragen nämlich nicht in Deiner Anordnung vor.
  12. Versuche nicht, alle Karteikarten für eine Klausur auf einmal zu schreiben. Gehe wie beim Lernen vor: Schritt für Schritt!
  13. Benutze Karteikarten als Aktionskarten. Schreibe beispielsweise „Lies Seite 234“ auf die Vorderseite und eine Aufgabe zum Text auf die Rückseite.


Mit Karteikarten lernen: Die Vor- und Nachteile

Natürlich gibt es auch genügend Gründe, die gegen das Verwenden von Karteikarten sprechen. Zunächst unterscheiden sich die handgeschriebenen Karteikarten von ihren digitalen Vertretern. Handschriftliche Karteikarten kosten viel Zeit. Daher solltest Du mit dem Karteikartenlernen nicht zu spät anfangen. Die Methode ist definitiv nicht zum Last-Minute-Learning geeignet. Die digitalen Karten sind zwar wesentlich schneller geschrieben, nichtsdestotrotz haben auch diese einen negativen Lerneffekt. Handgeschriebenes wird sich nachweislich besser gemerkt als Getipptes.

Die viel umworbene Handlichkeit der Karteikarten ist nur die halbe Wahrheit. Ja, sie sind klein und man kann sie überall mitnehmen. Allerdings braucht es dann doch etwas mehr Einsatz als erwartet, wenn man einen gr��ßeren Stapel aus seinem Karteikasten rausholt und in der Straßenbahn lernt. Die Apps eigenen sich für den mobilen Einsatz deutlich besser.

Mit Karteikarten kannst Du (fast) nur punktuelles Wissen, sprich Faktenwissen lernen. Für Transferleistungen, Mathe- und Statistikaufgaben sind die kleinen Lernkarten auf jeden Fall nicht die beste Methode. Verwende für komplexe Zusammenhänge beispielsweise eher eine Mind-Map.

Die Vorteile des Übens mit Karteikarten sind dennoch nicht von der Hand zu weisen. Durch das wiederholte Lernen prägt sich der Stoff besonders gut in Dein Langzeitgedächtnis ein. Außerdem hast Du durch die verschiedenen Fächer immer eine gute Übersicht über Deinen aktuellen Lernstand. Dadurch, dass Du immer weißt, wo Du gerade stehst, kann sich Deine Prüfungsangst verringern.


Lernen mit Karteikarten: Probiere die Lernmethode aus!

Profitiere von der Lernmethode und probiere es aus! Weitere Techniken wie Speed-Reading, die Pomodoro-Technik und Texte Schwärzen für einen noch größeren Lernerfolg findest Du ebenfalls auf Thesius.



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