Studium in Geisteswissenschaften und Arbeitslosigkeit



  • Ein Kumpel von mir studiert Musiktheorie und Theaterwissenschaft und bei ihm läuft's richtig gut. Ein andere Freund von mir ist im Film/Mediendramaturgie Master und kriegt außer studieren nix auf die Reihe. Findet keine Praktika und hat eigentlich nur den Master noch draufgesattelt weil er nach dem Bachelor nix bekommen hat.



  • Es kommt ja wirklich immer darauf an was man macht und ob man mit dem Job zufrieden ist. Es gibt sicher viele abgeschlossene Geisteswissenschaftler, die nicht in dieser Arbeitslosenstatistik auftauchen und in einem Job arbeiten, der wirklich nichts mit ihrem Studium zu tun hat. Aber der Unterschied ist ja nur wichtig, wenn man unzufrieden mit seinem Job ist. Wenn man nach einem Germanistik oder Philosophie Studium ein Café aufmacht und man ist glücklich und es läuft gut, dann ist das doch der gleiche Gewinn. Nur weil manche Studienfächer einem nicht alle Jobs eröffnen, heißt das nicht, dass man nichts wertvolles gelernt hat. Das Beispiel mit dem Café könnte zum Beispiel sein, dass die Kunden dort gern hingehen, weil der Besitzer Philosophie in sein Businesskonzept mit aufgenommen hat und man dort Philo-Bücher lesen und mit ihm diskutieren kann. Oder seine Kaffeebecher haben alle philosophische Sprüche oder es gibt Kulturtage und Events in seinem Café. Ich weiß, doofes Beispiel, aber man kann aus vielem etwas machen.



  • Ich habe habe auch eine Geisteswissenschaft studiert und kenne das Problem. Mit hat zwar mein Studium mega gut gefallen, aber irgendwie hat mich auch immer belastet, dass ich nie genau wusste, was ich damit später mal anfangen soll und auch keine richtige Vision hatte, wie mein Berufsfeld aussehen sollte. Ich hatte dann aber doch ein bisschen Glück und bin durch ein Praktikum an eine Werkstudentenstelle gekommen, durch die ich dann an meinen ersten Job gekommen bin. Wichtig dabei ist vielleicht: ja, am Anfang habe ich fast nichts für das Praktikum bekommen, aber manchmal muss man in den sauren Apfel beißen, solange man perspektivisch etwas davon hat. Klar ist es nervig, unterbezahlte Jobs oder Praktikas zu machen, aber was nach dem Studium eben zählt, ist Arbeitserfahrung zu sammeln. Da muss man sich dann doch mal wieder Pratikas/Volontariats oder ähnlichem aussetzen aber immer mit dem Hintergedanken: was bringt mir das für die Zukunft? Kann ich dadurch Arbeitserfahrung sammeln, die mich weiterbringt? Ich denke, wenn man seine Erwartungen beim Berufseinstieg als Geisteswissenschaftler etwas herunterschraubt, um dann langfristig auf ein Ziel hinzuarbeiten, dann klappt das auch mit einem gutem Job nach ein bisschen Zeit. Nur Geduld!



  • @bienchen123 Ich geb' dir Recht, aber das Problem mit den unbezahlten Praktika ist, dass vor allem Studis, die auf ihren Nebenjob angewiesen sind, es sich einfach oft nicht leisten können, ein unbezahltes Praktikum zu machen. So gesehen haben da schon viele einen Nachteil!



  • Man darf wirklich nicht das Glück hierbei außer Acht lassen. Es gibt genug unbezahlte Praktika, die mit einer Tonne von Arbeitserfahrung werben (klar, mit Geld wollen sie ja niemanden ködern, also was bleibt?) und man dann einen dreimonatigen Lerneffekt von zwei Stunden hat, indem das einzige, was man gelernt hat ist, wie deren Arbeitszeiterfassungssystem funktioniert und das war's ;).



  • @schwizzz Huhu :) Zum Thema "unbezahlte Praktika" - ist das überhaupt rechtlich noch erlaubt? Also irgendeinen Pauschalbetrag bzw. Mindestlohn muss man doch jetzt immer bekommen, oder?



  • Ja glaube schon. Allerdings nur wenn das Praktikum in der Prüfungsordnung als Pflichtpraktikum angegeben ist. Dann muss der Arbeitgeber einem gar nichts bezahlen. Gibt ja genug Unternehmen und Firmen die genau aus diesem Grund nur Pflichtpraktikanten nehmen. Glaube ansonsten ist es Mindestlohn, was ich aber auch nicht so super finde. Die Regelung gefällt mir wirklich nicht, da ich sie nicht für sinnvoll halte.



  • @koerperklaus Oh wow, das wusste ich um ehrlich zu sein auch nicht. Erklärt aber, wieso viele Arbeitgeber bzw. Unternehmen in ihre Ausschreibungen direkt "nur für Pflichtpraktika" reinschreiben. Gut, ich hab meine ganzen Praktika gemacht, da gabs noch keine Mindestlohndebatten und man war froh, dass man im Bereich Geisteswissenschaften überhaupt einen einigermaßen coolen Platz gefunden hat, aber eigentlich finde ich das schon hart, dass es okay ist, das gar nicht zu entlohnen: auch früher schon. Was spricht für dich gegen die Mindestlohnregelung? Das würde mich interessieren :)



  • Huhu :) Also ich kann diese "Schauermärchen" nicht bestätigen: Zumindest von den Leuten in meinem Umfeld, die auch den M. A. durchgezogen und Interesse und Engagement für das Fach auch während des Studiums mitgebracht und gezeigt haben, sind eigentlich alle sehr zufrieden mit ihren jetzigen Jobs (Abschluss vor 2-4 Jahren). Im Philologischen Bereich ist da alles von Lektor und Mitarbeiter im Verlag bis Autor und Texter dabei. Im Künstlerischen Bereich sind viele in Museen oder Projekten und Ausstellungen untergekommen, einige promovieren an der Uni weiter oder arbeiten an den Unis als wissenschaftliche Mitarbeiter. Ja: Die wenigsten arbeiten in einer unbefristeten Festanstellung, aber mal ganz ehrlich: Wenn man noch jung ist, braucht man das auch nicht wirklich und will – grade in diesen Bereich – meist eh lieber alle paar Jahre die Arbeitsumgebung wechseln und sich neuen Herausforderungen stellen. Positives Mindset hilft da ungemein und damit überzeugst du auch oft bei Bewerbungsgesprächen :) Mach dir nicht so viele Gedanken und genieß dein Studium!



  • Es kommt ja wirklich auch darauf an, wie sehr man seinen Job mag. Viele haben unterschiedliche Prioritäten bezüglich des Arbeitsklimas, des Gehalts, der Projekte und Aufgaben. Mit netten Kollegen ist jeder Job für mich besser. Fahrtwege machen mir zum Beispiel gar nichts aus, lese sowieso gerne. Die Arbeit kann stellenweise auch mal monoton sein, aber ich will etwas zu tun haben. Wenn ich zu wenig zu tun habe, geh ich ein. Gehalt ist mir auch nicht wahnsinnig wichtig. Brauche sowieso kein Auto.


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