Studium in Geisteswissenschaften und Arbeitslosigkeit



  • Hallo zusammen,

    danke fürs herauskramen, das ist GENAU mein Thread :D

    Ich bin nämlich leider gerade in der Situation, nach dem Studium arbeitslos zu sein und das ist gelinde gesagt scheiße.

    Ich schreibe Bewerbungen ohne Ende in einem ziemlich großen Umkreis und ich habe bisher genau gar keine Einladung bekommen. Nichts. Nada. Wirklich gar keine.

    Einige Absagen habe ich schon bekommen, viele Antworten aber auch gar nicht. Eine Firma hat mir geschrieben, dass sie gerade niemanden mit meinem Profil einstellen, sie meine Bewerbung aber im Hinterkopg behalten und sich nächstes Jahr gerne melden würden. Wirklich viel Hoffnung habe ich nicht, aber naja, immerhin eine positive Rückmeldung auf meine Bewerbung. So scheiße kann ich also nicht sein.

    Ich weiß einfach nicht, wofür ich so lang studiert habe, um dann offenbar auf dem Arbeitsmarkt zu nix zu gebrauchen zu sein. Zumal meine Freunde weniger Probleme haben - und das mit teilweise wirklich Deutlich schlechteren Abschlüssen. Naja.

    Wem ging es genauso? Was hat euch geholfen? Ich bekomme langsam Panik, das merkt man vermutlich. Auch, wenn angeblihc alle Statistiken das Gegenteil sagen: Arbeitslosigkeit nach dem Studium is a thing. Eindeutig.



  • Hallo Larisse,

    das klingt ja wirklich nicht gut. Wie lange hast Du dein Studium denn schon abgeschlossen und wie lange bist du schon arbeitslos?

    Und: Hast du relevante Praktika? Wenn nein wäre das vielleicht eine Alternative? Dir erstmal bezahlte Praktika zu suchen?

    Mir wurde im Studium immer vermittelt, dass es nur eine wirksame Maßnahme gegen Arbeitslosigkeit nach dme Studium gibt, gerade in den Geisteswissenschaften: Praktische Berufserfahrung. Ich fürchte, das ist wahr.



  • Hallo Malara,

    danke für Deine Antwort. Es IST auch nicht gut.

    Und zu den Praktika: Da triffst Du tatsächlich einen wunden Punkt. Meine Nebenjobs waren für das Berufsleben nicht wirklich relevant und meine (zwei) Praktika im Nachhinein wohl auch nicht. Ich wollte damals in eine ganz andere Richtung bzw. habe mir einfach keine Gedanken gemacht. An dem Punkt bin auch traurigerweise nicht nur ich, sondern auch einige meiner Bekannten.

    Ich habe immer nur Extreme gehört im Studium: Alle Geisteswisenschaftler werden Taxifahrer (dass es wirklich Leute gibt, die IMMER NOCH mit diesem Spruch kommen) und "Arbeitslosigkeit unter Geisteswissenschaftlern ist ein Mythos" (liest man ja auch gerne mal hier im Forum und auch anderswo.)

    Ich schweife aber ab: Ja, vermutlich muss ich in den sauren Apfel beißen und erstmal mit Praktika starten. Ich hatte gehofft, dass der Kelch an mir vorüberzieht. Allerdings kann ich dann Hartz 4 vergessen - und die Unterstützung brauche ich bald. Ist alles murks, irgendwie.



  • Hey Larisse,

    wenn dir wirklich noch Praxiserfahrung fehlt, dann solltest du das nacholen, da bin ich ganz bei @malara .

    Dass die Finanzierung kacke ist, stimmt wohl. Leider fallen viele nach dem Studium in diesen Kreislauf: arbeitslos weil keine Praxiserfahrung, weil arbeitslos Hartz 4, weil Hartz 4 keine Praxiserfahrung ...

    Haben Deine Eltern die Möglichkeit, Dich weiter zu unterstützen? Wie viel Geld brauchst Du zum Leben? Manche Praktika sind ja durchaus bezahlt, oder du handelst ein Teilzeit-Praktikum aus und arbeitest noch 1 bis 2 Tage pro Woche im Supermarkt oder so.

    Ach man, das ist doch ätzend: Überall liest man von Vollbeschäftigung in Deutschland, trotzdem bekomme ich immer wieder mit, dass top ausgebildete Uni-Absolventen nach dem Studium erstmal arbeitslos sind...



  • Ah, mir ist da noch was eingefallen: Hast du mal deine Bewerbungsunterlagen professionell (!) checken lassen?

    Gerade Geisteswissenschaftler neigen dazu, zu denken, dass das schon so passen wird (man kann ja schließlich schreiben, nech?) aber es ist erstaulich, was ein guter Check da nochmal rausholen kann.



  • @worakl "Gerade Geisteswissenschaftler neigen dazu, zu denken, dass das schon so passen wird (man kann ja schließlich schreiben, nech?) aber es ist erstaulich, was ein guter Check da nochmal rausholen kann."

    Da fühle ich mich tatsächlich ein bisschen erwischt. Ich habe super viel dazu gelesen und denke tatsächlich, dass da nicht mehr viel auszusetzen ist. Generell bin ich solchen "Beratungen" gegenüber immer sehr kritisch. Wahrscheinlich zu unrecht?

    Hast Du denn einen konkreten Vorschlag, wo man das machen lassen kann? Darf nicht viel kosten, ich bin ja arbeitslos :D (Galgenhumor^^)



  • Es gibt bei größeren Universitäten oft ein Büro der Akademie für Arbeit, da geht das. Oder auf Berufsmessen, da gibt es die Möglichkeit auch oft.

    Ich würde Dir das wirklich raten, schaden kann es ja nicht.

    Was hast Du eigentlich genau studiert? Sind deine Kommilitonen auch arbeitslos oder haben Probleme, was zu finden?



  • Puh, das mit den Kommilitonen ist so eine Sache. Ich habe mich ja auch mit einem Verlegenheitsjob über Wasser und bin daher nicht arbeitslos-arbeitslos.

    Ich berichte mal von meinen 5 engsten Freundinnen/Freunden im Studium. Ist ja vielleicht auch für andere interessant-.

    Freundin 1: Die wohl erfolgreichste von uns. Hat ein Volo in einem großem Verlag ergattert und musste nichtmal viele Bewerbeungen schreiben. Trotz ebenfalls Geisteswissenschaft war sie keinen Tag arbeitslos. Sie hatte aber auch krasse Praktika und ich vermute etwas, dass ihr Papa da Kontakte hatte in den Verlag. Soll gar nicht böse klingen, Kontakte sind eben wichtig und ich habe es im Studium wohl verpasst, mir welche aufzubauen.

    Freundin 2: Meine andere Freundin ist in der Werbebranche untergekommen. Bei dem, was sie da so verdient und reißen muss, frage ich mihc aber langsam, ob Arbeitslosigkeit nicht besser wäre. Das ist richtig krank was in so Agenturen teilweise abgeht.

    Freundin 3: Arbeitet im gleichen Verlegenheitsjob wie ich. Sucht aber glaube ich auch weniger intensiv. Sie ist also auch "arbeitslose" Geisteswissenschaftlerin.

    Freundin 4: Freundin 4 ist schon kurz vor dem Master schwanger geworden und gerade also noch ncihtg auf Jobsuche. Die wird aber dieses Jahr noch starten. Da bin ich mal gespannt. Hatte die besten Noten von uns allen.

    Freund 5: Mein bester Studienkumpel hatte sich schon seit dem bachelor ein zweites Standbein in Richtung Grafikdesign aufebaut. Davon kann er aber auch nicht leben und jobbt zusätzlich.

    Was ich daraus ziehen soll? Keine Ahnung :D Den richtig "klassischen" Berufseinstieg hat eigentlich nur eine geschafft.



  • Ich fand dein Beitrag von larisse ziemlich gut. Ich lese total gerne so Erfahrungen. Mich interessiert, wo Geisteswissenschaftler landen, wer tatsächlich als Geisteswissenschaflter und der Arbeitslosigkeit landet und was da die Faktoren sind. Ich bin jetzt aich schon eine Weile aus der Uni und habe eine Trainee-Stelle (da gibts auch einen Thread zu). Ich dachte, ich berichte auch mal aus meinem Bekanntenkreis.

    Freundin 1: Ist nach einem Anglistik-Studium in ein super unterbezahltes Praktikum bei einer Zeitschrift gegangen und hat da Übersetzungen gemacht. Sie ist danach übernommen worden und arbeitet jetzt immer noch bei der Zeitung, aber eher logistisch - hat also mit ihrem Fach eher gar nicht mehr zu tun. Ich denke, sie hat das vor allem angenommen, weil sie damals Angst hatte, nichts besseres zu finden, und hat sich jetzt irgendwie "falsch spezialisiert". Sie wollte dann nochmal ein Volo machen, hat da aber keine Chance mehr (schon Berufserfahrung in einem anderen Bereich ist dabei wohl ein klarer Nachteil).

    Freund 2: Hat ein RUndfunkvolo im ÖR gemacht und ist danach immer wieder befrsitet weiterbeschäftigt worden. Das Gehalt ist nur gut, wenn man ignoriert, was in der freien Wirtschaft so möglich ist.

    Ich habe leider zum großen Teil den Kontakt verloren, ich weiß auf jeden Fall von einer Kommilitonin, die jetzt, mehrere Monate nach ihrem Abschluss immer noch nichts gefunden hat. Sie hat eine schlechte Abschlussnote und keine Praxiserfahrung. Ich glaube, diese Kombination kann einem das Genick brechen.



  • Ich studiere Amerikanistik, kann aber auch von Freunden/Kommilitonen berichten:

    • Freund 1: Studiert American Studies, hat es in den Kommunikationsbereich geschafft und hat sogar ein dreimonatiges Praktikum in New York gemacht. Allerdings: Seine Familie hat Geld wie Heu und irgendwie scheint er immer entweder Glück oder Kontakte zu haben.
    • Freund 2: Hat erst eine Ausbildung gemacht, dann Germanistik studiert und arbeitet jetzt wieder in seinem Lehrberuf. Er versucht allerdings, sich nebenher selbstständig zu machen.
    • Freundin 3: Hat nur Pflichtpraktika während dem Studium (auch Amerikanistik) gemacht, ansonsten wirklich gute Noten geschrieben, aber kaum Auslandserfahrung oder sonstiges und ja... sie kellnert momentan wieder.


  • Ein Kumpel von mir studiert Musiktheorie und Theaterwissenschaft und bei ihm läuft's richtig gut. Ein andere Freund von mir ist im Film/Mediendramaturgie Master und kriegt außer studieren nix auf die Reihe. Findet keine Praktika und hat eigentlich nur den Master noch draufgesattelt weil er nach dem Bachelor nix bekommen hat.


Anmelden zum Antworten
 

Es scheint als hättest du die Verbindung zu Thesius Forum verloren, bitte warte während wir versuchen sie wieder aufzubauen.