{"id":3540,"date":"2017-04-28T09:47:09","date_gmt":"2017-04-28T07:47:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.thesius.de\/blog\/?p=3540"},"modified":"2017-08-02T18:23:56","modified_gmt":"2017-08-02T16:23:56","slug":"thesius-nutzer-im-portraet-professor-erk-piening","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/thesius.de\/blog\/articles\/thesius-nutzer-im-portraet-professor-erk-piening\/","title":{"rendered":"Thesius-Nutzer im Portr\u00e4t: Professor Erk Piening"},"content":{"rendered":"<p><strong>Heute haben wir einen ganz besonders interessanten Gast in unserer Portr\u00e4t-Reihe: Erk Piening ist Professor am Lehrstuhl f\u00fcr Organisation, Personal und Unternehmensforschung an der Universit\u00e4t Mainz. Er erz\u00e4hlt Euch von seinen pers\u00f6nlichen Studienerfahrungen und seiner jetzigen T\u00e4tigkeit. Au\u00dferdem verr\u00e4t er, welche Vor- und Nachteile er bei Abschlussarbeiten und Dissertationen in Kooperation mit Unternehmen sieht.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"border: 3px solid #52E4FD; padding: 15px; margin: 10px;\"><strong>Name:<\/strong> Erk Piening<strong>Lehrstuhl:<\/strong> Organisation, Personal und Unternehmensf\u00fchrung<\/p>\n<p><strong>Universit\u00e4t:<\/strong> Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz<\/p>\n<p><strong>Thema der Dissertation:<\/strong> Innovationen in Krankenh\u00e4usern<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><\/h4>\n<h4><strong>Beschreiben Sie sich und Ihre T\u00e4tigkeit als Professor in maximal 5 S\u00e4tzen!<\/strong><\/h4>\n<p>Forschung, Lehre und akademische Selbstverwaltung \u2013 f\u00fcnf W\u00f6rter tun es auch &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Wie sind Sie zu Ihrem Dissertations- bzw. Habilitationsthema gekommen?<\/strong><\/h4>\n<p>Mein Dissertationsthema war schon zum Teil vorgegeben, da ich f\u00fcr die Bearbeitung eines Drittmittelprojekts eingestellt wurde. Ich habe mir das \u00fcbergeordnete Thema (Innovation) dann so zurechtgelegt, dass es meinen Interessen entspricht und ich eine spannende Forschungsl\u00fccke adressiere. Ein richtiges Habilitationsthema hatte ich nie. Ich habe am Anfang meiner Habilitation vor allem interessante und vielversprechende Projekte verfolgt und dazu publiziert. Am Ende h\u00e4tte ich dann schon eine thematische Klammer gefunden, wobei ich meine Habilitation aufgrund des Rufs auf eine Juniorprofessur nie abgeschlossen habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Wann und aus welchem Grund haben Sie sich entschieden, eine Karriere in der Wissenschaft anzustreben?<\/strong><\/h4>\n<p>Promovieren wollte ich eigentlich schon immer, eine Karriere in der Wissenschaft hat sich dann irgendwie ergeben. Am Anfang meiner Promotion habe ich nicht wirklich daran gedacht, Professor zu werden. Als ich gegen Ende der Promotion auf super spannenden Konferenzen im Ausland war und meine erste Publikation in einem guten Journal unterbringen konnte, habe ich aber sprichw\u00f6rtlich Blut geleckt. Mir ist dann auch schnell klar geworden, dass Professor der Job ist, der am besten zu mir passt und mir am meisten Spa\u00df macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong> Was hat Sie dazu bewegt, an der Universit\u00e4t zu bleiben und zu lehren? Haben Sie vorher in einem anderen Bereich gearbeitet oder sind Sie direkt an der Universit\u00e4t geblieben?<\/strong><\/h4>\n<p>Ich bin direkt in der Universit\u00e4t geblieben, habe mich also erfolgreich vor der \u201erichtigen\u201c Arbeitswelt gedr\u00fcckt. Es war aber keine leichte Entscheidung, nach der Promotion an der Universit\u00e4t zu bleiben. Zum einen ist der Markt sehr kompetitiv, d.h., man muss in kurzer Zeit sehr gut publizieren, um eine Chance auf eine Professur zu haben. Zum anderen war nat\u00fcrlich der Gedanke da, mal etwas anderes zu machen und aus der Uni raus zu kommen. In der Uni bin ich dann geblieben, weil es zumindest f\u00fcr mich der Traumjob schlechthin ist. Ich kann mir keinen anderen Job vorstellen, der im Hinblick auf Autonomie und M\u00f6glichkeiten der Selbstverwirklichung besser w\u00e4re. Und auch wenn es f\u00fcr manche Studierende seltsam klingen mag: Wissenschaft macht einfach Spa\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Wenn Sie noch einmal w\u00e4hlen k\u00f6nnten \u2013 w\u00fcrden Sie sich wieder f\u00fcr das gleiche Studium entscheiden oder doch etwas ganz anderes machen?<\/strong><\/h4>\n<p>Ehrlicherweise muss ich sagen, dass meine damalige Studienwahl nicht nur aus Interesse, sondern auch etwas aus Orientierungslosigkeit resultierte. Echte Leidenschaft war da nicht im Spiel. Trotzdem w\u00fcrde ich h\u00f6chstwahrscheinlich wieder Wirtschaftswissenschaften studieren, da es einfach ein sehr vielf\u00e4ltiges Fach ist und Raum f\u00fcr Entfaltungsm\u00f6glichkeiten bietet. Geschadet hat es jedenfalls nicht. Mit Blick auf meine Forschungsinteressen w\u00e4re Psychologie eine gute Alternative.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Was war der schlimmste Job, den Sie jemals hatten?<\/strong><\/h4>\n<p>Der Nebenjob in einer Videothek (die gibt es heute ja fast nicht mehr) \u2013 Langeweile, komische Kunden und Filme &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Wie gewichten Sie Forschung und Lehre an Ihrem Lehrstuhl und warum?<\/strong><\/h4>\n<p>Ich sollte jetzt 50\/50 sagen, aber wenn ich ehrlich bin, w\u00fcrde ich die Forschung etwas h\u00f6her gewichten. Es macht einfach Spa\u00df, an interessanten Forschungsprojekten mit tollen Kollegen zu arbeiten. Letztlich profitieren auch die Studierenden davon, wenn Professoren forschungsorientiert sind, zumal hervorragende Kenntnisse des Feldes, methodische Kompetenz und spannende Forschungsergebnisse auch essentielle Voraussetzungen f\u00fcr gute Lehre sind. Forschung und Lehre sind keinesfalls konkurrierende, sondern komplement\u00e4re T\u00e4tigkeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Wie gestaltet sich f\u00fcr Sie das ideale Betreuungsverh\u00e4ltnis zwischen Betreuern und Studierenden bzw. Promovierenden?<\/strong><\/h4>\n<p>Intensiv, kooperativ und reziprok. Im besten Fall ist das Betreuungsverh\u00e4ltnis kein hierarchisches Verh\u00e4ltnis, sondern zeichnet sich durch gemeinsames Interesse an einer Fragestellung aus. Wenn man zusammen an Publikationen arbeitet, macht es mehr Spa\u00df, man lernt mehr und im Ergebnis kommt mehr dabei heraus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Was erwarten Sie von Studierenden, die sich f\u00fcr eine Abschluss- oder Forschungsarbeit bei Ihnen interessieren?<\/strong><\/h4>\n<p>Interesse, Einsatzbereitschaft (vielleicht auch etwas Opferbereitschaft &#8230;) und Ambiguit\u00e4tstoleranz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>K\u00f6nnen Studierende an Ihrem Lehrstuhl Abschlussarbeiten in Kooperation mit Unternehmen schreiben? Bitte begr\u00fcnden Sie Ihre Antwort bzw. heben Sie hervor, was Ihnen dabei wichtig ist.<\/strong><\/h4>\n<p>Ja. Wichtig dabei ist, dass den Studierenden bewusst ist, dass Unternehmen und Universit\u00e4t oft unterschiedliche Erwartungen im Hinblick auf die Abschlussarbeit haben. Unternehmen wollen Praxisrelevanz, Universit\u00e4ten Wissenschaftlichkeit. Aus meiner Sicht lassen sich diese Erwartungen aber gut in Einklang bringen, da Abschlussarbeiten letztlich dann die verwertbarsten Erkenntnisse f\u00fcr Unternehmen hervorbringen, wenn sie theoretisch und methodisch fundiert, also wissenschaftlich sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Welche Kompetenzen abseits des fachlichen Wissens sollten Studierende und Promovierende Ihrer Meinung nach auf jeden Fall mitbringen?<\/strong><\/h4>\n<p>Methoden- und nat\u00fcrlich auch Sozialkompetenz. Wissenschaft ist Teamsport.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>H\u00e4tten Sie sich vorstellen k\u00f6nnen, Ihre Dissertation in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen zu schreiben? Oder haben Sie sich bewusst dagegen entschieden?<\/strong><\/h4>\n<p>Grunds\u00e4tzlich schon, aber die Frage hat sich nie gestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Welche Vor- und Nachteile bringt eine Promotion in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen Ihrer Einsch\u00e4tzung nach mit sich?<\/strong><\/h4>\n<p>Vorteile k\u00f6nnen in finanzieller Unterst\u00fctzung durch das Unternehmen, Zugang zu Daten und M\u00f6glichkeiten zum Austausch mit Mitarbeitern liegen. M\u00f6gliche Nachteile liegen in fehlender Unabh\u00e4ngigkeit und ggf. konkurrierenden Aufgaben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Haben Sie im Ausland geforscht? Wenn ja, welche nennenswerten Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?<\/strong><\/h4>\n<p>Ich habe an einer franz\u00f6sischen Hochschule, allerdings in Berlin, gearbeitet. Z\u00e4hlt das? Nein, im Ernst. Ich habe zwar viele ausl\u00e4ndische Kooperationspartner (von denen ich viel lerne), aber die Zusammenarbeit findet prim\u00e4r \u00fcber Skype statt, was schade ist. Wenn ich Forschungsfreisemester habe, hole ich das aber nach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Gibt es bestimmte Tools, beispielsweise zur Literaturverwaltung, die Sie gerne nutzen und weiterempfehlen k\u00f6nnen?<\/strong><\/h4>\n<p>Nein, ich bin da eher altmodisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Gibt es auch f\u00fcr einen Professor Tage, an denen er sich f\u00fcr seine Arbeit motivieren muss? Wenn ja, wie stellen Sie das an?<\/strong><\/h4>\n<p>Klar, ich w\u00fcrden l\u00fcgen, wenn ich behaupten w\u00fcrde, dass ich jeden Tag gleicherma\u00dfen motiviert bin. Das Sch\u00f6ne an meinem Job ist aber, dass ich mir meine T\u00e4tigkeiten ja ziemlich frei aussuchen kann und eigentlich immer etwas finde, was gerade Spa\u00df macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Sie werden mit drei bekannten Pers\u00f6nlichkeiten Ihrer Wahl eine Nacht lang in der Bibliothek eingeschlossen. Wen suchen Sie aus?<\/strong><\/h4>\n<p>Niemanden. In die Bibliothek geht man schlie\u00dflich, um in Ruhe zu lesen &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Inwiefern wirkt sich ein akademischer famili\u00e4rer Hintergrund Ihres Erachtens auf den Studienprozess aus?<\/strong><\/h4>\n<p>\u00dcber diese Frage habe ich noch nie besonders intensiv nachgedacht. Es gibt sicherlich einen signifikanten Zusammenhang. Das f\u00e4ngt ja schon bei der Frage an, ob man \u00fcberhaupt ein Studium\/eine Promotion anf\u00e4ngt bzw. sich zutraut. In meiner Familie gibt es viele \u00c4rzte, so dass der Doktortitel sehr pr\u00e4sent war. Unter diesen Umst\u00e4nden kommt man eher auf die Idee, selbst zu promovieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Gibt es Dinge, die Sie nur mit Humor ertragen k\u00f6nnen?<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p>Klausureinsichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Was w\u00fcrden Sie heute Ihrem j\u00fcngeren Ich\u00a0empfehlen?<\/strong><\/h4>\n<p>Vielleicht in den USA zu promovieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><\/h4>\n<h4><strong>Wenn Sie das Wort <em>erfolgreich<\/em> h\u00f6ren, wer und was kommt Ihnen dann in den Sinn?<\/strong><\/h4>\n<p>Dass Erfolg ein sehr subjektiver Begriff ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Sie haben einen Wunsch bei der guten akademischen Fee frei: Was sollte sich im Wissenschaftsbetrieb unbedingt \u00e4ndern?<\/strong><\/h4>\n<p>Der akademische Mittelbau sollte gest\u00e4rkt werden. Es muss auch dauerhafte Karriereoptionen in der Uni au\u00dferhalb der Professur geben. Davon w\u00fcrden am Ende alle profitieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Teilen Sie Ihre \u00dcberlebensstrategie: Welchen Tipp wollen Sie jungen Wissenschaftlern, die am Anfang Ihrer Abschlussarbeit oder Promotionszeit stehen, unbedingt mit auf den Weg geben?<\/strong><\/h4>\n<p>Locker bleiben. Die besten Ideen kommen meist dann, wenn man sich nicht zu sehr unter Druck setzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[otw_shortcode_button href=&#8220;https:\/\/www.thesius.de\/thema-finden&#8220; size=&#8220;large&#8220; bgcolor=&#8220;#8aa6e6&#8243; icon_position=&#8220;left&#8220; shape=&#8220;radius&#8220; color_class=&#8220;otw-red&#8220; target=&#8220;_blank&#8220;]Finde Dein Thema[\/otw_shortcode_button]\u2002\u2002[otw_shortcode_button href=&#8220;https:\/\/www.thesius.de\/umfragen&#8220; size=&#8220;large&#8220; bgcolor=&#8220;#8d8ff1&#8243; icon_position=&#8220;left&#8220; shape=&#8220;radius&#8220; color_class=&#8220;otw-red&#8220; target=&#8220;_blank&#8220;]Booste Deine Umfrage[\/otw_shortcode_button]\u2002\u2002[otw_shortcode_button href=&#8220;https:\/\/www.thesius.de\/jobboerse&#8220; size=&#8220;large&#8220; bgcolor=&#8220;#74aece&#8220; icon_position=&#8220;left&#8220; shape=&#8220;radius&#8220; color_class=&#8220;otw-red&#8220; target=&#8220;_blank&#8220;]St\u00f6bere in den Jobs[\/otw_shortcode_button]\u2002[otw_shortcode_button href=&#8220;https:\/\/www.thesius.de\/forum&#8220; size=&#8220;large&#8220; bgcolor=&#8220;#35c3c6&#8243; icon_position=&#8220;left&#8220; shape=&#8220;radius&#8220; color_class=&#8220;otw-red&#8220; target=&#8220;_blank&#8220;]Zum Forum[\/otw_shortcode_button]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute haben wir einen ganz besonders interessanten Gast in unserer Portr\u00e4t-Reihe: Erk Piening ist Professor am Lehrstuhl f\u00fcr Organisation, Personal und Unternehmensforschung an der Universit\u00e4t Mainz. 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